Tikal gilt als eine der bedeutendsten Mayazentren in Zentralamerika. Gelegen im Petén (im nördlichen Bundesstaat Guatemalas), präsentiert sich die Mayaarchitektur hier von ihrer gewaltigsten Seite!
Im Umkreis von 16 Quadratkilometern des zeremoniellen Zentrums von Tikal wurden über 3000 Strukturen gezählt. Damit gilt Tikal nicht nur als die bedeutendste Mayastätte der klassischen Periode (3. bis 9. Jahrhundert), sondern auch als die größte erforschte Anlage überhaupt.
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Besichtigung des Tikal Nationalparks
1. Für die Besichtigung Tikals ist es auf jeden Fall lohnenswert früh aufzustehen. Obwohl der Eingang der Stätte im Osten liegt und sich der höchste Tempel ganz im Westen befindet, empfehlen wir, das Zentrum zunächst zu durchschreiten. Von Tempel IV aus blickt man über die gesamte Stätte und den Regenwald bis zum Horizont. Frühe Besucher werden mit einem atemberaubenden Schauspiel belohnt - durch die Transpiration des Regenwaldes liegt ganz Tikal im Nebel, der sich langsam verzieht. Nach und nach kommen die Spitzen von Tempel III, II und I aus dem Morgendunst. Dazu die Geräuschkulisse des Dschungels, ein unvergleichliches Erlebnis!
2. Südöstlich von Tempel IV befindet sich "El Mundo Perdido" (die Verlorene Welt), welches der früheste Zeremonialkomplex Tikals ist. Von hier aus ist die Stätte kontinuierlich in Richtung Osten vergrössert worden (leichte Abweichung dieser Aussage sind frühe Konstruktionen in der Nord- und Zentralakropolis). Somit beginnen wir Tikal von hier aus in mehr oder weniger korrekter Abfolge der Konstruktionszeiträume von der Vor- bis zur Endklassik zu durchschreiten. Tempel 5C-49, auch Talud-Tablero-Tempel genannt, ist das erste Gebäude, welches man passiert, wenn man von Tempel IV aus kommt. (Der Name Talud-Tablero bezieht sich auf die Bauweise der Konstruktion. Der pyramidale Unterbau wechselt ab zwischen leicht abgeschrägten (talud) und vertikalen (tablero) Fassadenteilen. Im Zentrum des Platzes befindet sich die "Gran Pirámide". Sie bildet im Zusammenspiel mit einer - von ihr aus blickend - im Osten liegenden Plattform (Nord-Südachse) eine sogenannte Gruppe E, welche die frühesten Observatorien repräsentiert. Die ersten Konstruktionen im "Mundo Perdido" datieren auf ca. 600 v. Chr. (Phase Eb tardio) und liegen begraben (überbaut) unter den Komplexen der letzten Bauphase. Die Begrenzungsplattformen des Platzes und die darauf befindlichen Gebäude wurden im Laufe der Jahrhunderte mehrfach überbaut und gewannen somit ebenfalls an Höhe.
Hinweis: Am Talud-Tablero Tempel hat der Archäologe und Grabungsleiter des damaligen Forschungsprojektes - der Archäologe Juan Pedro Laporte - die südöstliche Gebäudeecke offen gelassen um zwei weitere - überbaute - Pyramiden unter der äußeren Fassade erahnen zu lassen. Hier lassen sich jeweils die südlichen und östlichen Außenfassaden erkennen, die zur südöstlichen Ecke zusammenlaufen.
3. Das "Mundo Perdido" in Richtung "Platz der Sieben Tempel" verlassend, passiert man ein weiteres vorklassisches Bauwerk, an dem eine überbaute Stuckmaske zu bewundern ist (auf die Öffnung in der Fassade achten!). In der Vorklassik wurden monumentale Treppen zu beiden Seiten von gewaltigen Stuckmasken flankiert. Im Laufe der Zeit änderten sich die religiösen Vorstellungen, welches in einer Überbauung der Masken resultierte.
4. Der "Platz der Sieben Tempel" ist zurzeit in der Restaurierungsphase. Wie der Name andeutet sind es sieben Tempel, die in einer Reihe konstruiert wurden. Der mittlere ist der Haupttempel und der monumentalste - zu beiden Seiten flankiert von jeweils drei kleineren Tempeln. Unter der Woche lassen sich hier Arbeiter in Aktion beobachten, welche man mit ein paar Spanischkenntnissen problemlos ansprechen und befragen kann.
5. Dem Rundweg folgend trifft man anschließend auf die Südakropolis, einem bislang noch nicht freigelegten Gebäudekomplex. Dieser Standort vermittelt eine Idee des Zustandes von Tikal vor den Freilegungsarbeiten. Durch die auf den Ruinen wachsenden Bäume werden die Bauwerke von Unkundigen oft als natürliche Berge interpretiert.
6. Tempel V wurde von 1997 bis 2004 restauriert. Erbaut um ca. 600 n. Chr., gilt er als der früheste Tempel Tikals. In keinem anderen Mayastaat war zu jener Zeit ein Tempel dieser Größenordnung konstruiert worden! Unter einem Palmdach vor dem Tempel ist eine Beschreibung mit Fotos der Restaurierungsarbeiten und deren wissenschaftlicher Analyse aufgestellt.
7. Um von Tempel V aus zur Zentralakropolis zu gelangen, passiert man ein riesiges Wasserreservoir. Um die Transportwege für Baumaterial zu verkürzen, gründeten die Maya Steinminen in der Nähe von großen Konstruktionen. Nach Stilllegungen von Steinminen wurden diese häufig zu Wasserreservoirs umgenutzt - mit Stuck überzogen konnte das Wasser nicht in den Untergrund versickern. Perfekte Planung - zunächst Baumaterial direkt an der Baustelle und dann ein Wasserreservoir nahe den Wohnkomplexen.
8. Die Zentralakropolis besteht aus einer gewaltigen, künstlich angelegten Plattform auf der sechs Innenhöfe mit darum befindlichen Palästen konstruiert wurden. Von der mittleren Vorklassik bis zur späten Klassik (ca. 400 v. Chr. bis 850 n. Chr.) evolutionierte die Zentralakropolis von kleinen, unbebauten Plattformen hin zu einem riesigen Konglomerat aus Palästen mit sechs Innenhöfen. An diesem Standort lässt sich der Lebensstil der Nobelklasse hervorragend nachvollziehen: Während der hohen Temperaturen am Tage dürfte sich die Oberschicht der Maya in die kühlen Innenräume (der Naturstein absorbiert die Hitze und gibt sie nachts langsam wieder ab) oder unter schattige Palmdächer zurückgezogen haben. Bei Nachteinbruch werden sich die Maya bei Fackellicht - in den Innenhöfen oder auf den Treppenstufen der Paläste sitzend - zueinander gesellt haben.
9. Südlich der Zentralakropolis liegt die Gran Plaza (großer Platz), welche im Norden von der Nordakropolis, im Osten von Tempel I und im Westen von Tempel II begrenzt wird. Tempel II - der "Tempel der Masken" - ist der zweite große Tempel, der in Tikal erbaut wurde (um 680 n. Chr). Darauf folgte 720 n. Chr. die Konstruktion von Tempel I - dem "Grossen Jaguar".
10. Ebenso wie die Zentralakropolis durchlief auch die Nordakropolis eine jahrhundertelange Evolution. Beruhend auf den Funden diverser Königsgräber durch die Universität Pennsylvania, geht die Wissenschaft zurzeit davon aus, dass sich die Nordakropolis von kleinen, niedrigen Plattformen mit winzigen Tempeln zu einer Art Nekropolis - einer Beerdigungsstätte für die ersten Könige Tikals - entwickelte.
11. Von hier aus den Rückweg antretend kommt man an mehreren Zwillingspyramidenkomplexen vorbei. Zwillingspyramidenkomplexe bestehen aus zwei identischen Pyramiden ohne Gebäude darauf (jeweils eine im Osten und eine im Westen des Komplexes). Vor der westlichen Pyramide wurden grundsätzlich neun Stelen mit jeweils einem Altar aufgestellt. Im Norden befindet sich ein Innenhof mit einem Altar und einer Stele, welche das Einweihungsdatum des architektonischen Komplexes trägt. Im Süden steht ein Palast mit neun Eingängen. Jene Zwillingspyramidenkomplexe wurden zur Feier des Katún - dem 20 Jahre Zyklus - konstruiert. In Tikal wurden acht entdeckt. Außerhalb Tikals sind in der gesamten Mayawelt lediglich zwei weitere Zwillingspyramidenkomplexe gefunden worden; einer in Yaxha und einer in Ixlu - beides Stätten, die innerhalb des Machtterritoriums von Tikal lagen.
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To enlarge, click on the map. Courtesy of www.parque-tikal.com